Lindernia procumbens

Melzer, H. & Barta, Th., 2008, Cerastium lucorum, das Grossfrucht-Hornkraut - neu für das Burgenland und andere Neuigkeiten zur Flora dieses Bundeslandes sowie von Wien und Niederösterreich, Linzer biologische Beiträge 40 (1), pp. 517-550: 530

publication ID

http://doi.org/10.5281/zenodo.5428041

persistent identifier

http://treatment.plazi.org/id/955BFC06-5158-FFBC-FF49-CF239816DC96

treatment provided by

Valdenar

scientific name

Lindernia procumbens
status

 

Lindernia procumbens   – Europa-Büchsenkraut

N: Thayatal, N von Moosanger bei Bernhardsthal am schlammigen Ufer eines Altwassers tausende Exemplare, 2007, von hier seit ca. 1992 bekannt, Ba – 7267/3. Marchtal, bei Stillfried WNW der Fischereiche an überschwemmt gewesenen Ackerstellen einige Exemplare, 2006, Ba – 7567/3, ebenso NNE der Ochsenweide und E von "Breitensee" bei Marchegg-Bahnhof, 2006, Ba – 7767/2.

Die vier Funde dieser seltenen und stark gefährdeten Art (NIKLFELD & SCHRATT- EHRENDORFER 1999: 83) sind von besonderem Interesse. BERNHARDT et al. (2006: 128) heben unter floristisch besonders bemerkenswerten Arten auf den Schlammbänken an der Donau im Bezirk Melk im Jahre 2003 hervor, dass L. procumbens   in Niederösterreich bis dahin als verschollen gemeldet worden wäre.

Die Pflanzen von der Ochsenweide zeigen überdies eine Besonderheit, die fast zu einer Fehlbestimmung geführt hätte: Sie weisen bis 7 mm grosse Blüten auf und die Blätter z. T. 5 Nerven. Beide Merkmale führen zu der in einigen Nachbarländern Österreichs bereits nachgewiesenen L. dubia   , dem Grossen Büchsenkraut ( OBERDORFER 2001: 834, ROTHMALER 2005: 571, MARTINČIČ et al. 1999: 478). Der grösste Teil der Blüten ist bei unseren Pflanzen aber kleistogam, was für L. procumbens   kennzeichnend ist, ebenso wie die Früchte, z. T. bereits reif, die kürzer als die Kelchblattzipfel sind. Bei L. dubia   müssten sie diese weit überragen, wie u. a. die Abbildungen in ROTHMALER (1995: 441) schön zeigen. WEBB & PHILCOX in TUTIN et al. (1972: 204) geben für sie keine Länge an, bei L. procumbens   3-5 mm. Da der Kelch nach diesen Autoren 3-5 mm misst, können die Früchte mit der Spitze auch ein wenig die Kelchzipfel überragen, über die Zahl der Blattnerven schreiben sie nichts.

Nach JANCHEN (1972: 400) ist L. procumbens   im Waldviertel bei Hoheneich und vor allem an den Ufern der March von Stillfried bis Marchegg zu finden.

Vermerkt sei, dass im Herbar Me Belege von 10 steirischen Funden liegen und keine einzige der 28 Pflanzen, darunter allerdings auch 5 sehr kleine von nur ungefähr 1 cm Länge, auch nur annähernd so grosse Blüten zeigen wie die von der oben genannten Ochsenweide. Deshalb war es uns sehr wichtig, dass die Bestimmung von F. Verloove nach genauer Überprüfung bestätigt wurde. Vielleicht wird so manchen Naturschützer die grosse Zahl der gesammelten Pflanzen stören, denn auch von FISCHER et al. (2005: 740) wird diese Art als stark gefährdet und sehr selten bezeichnet. Dies umso mehr, als sie ZIMMERMANN et al. (1989: 132) noch zur Gefährdungskategorie 1, also "vom Aussterben bedroht" einstufen. Solange aber weiterhin in der Steiermark Teichwirtschaft betrieben wird, ist keine Gefahr des Aussterbens gegeben. Die Pflanzen können viele Jahre ausbleiben, um dann bei Leerfallen eines Teiches dessen Grund in Mengen zu besiedeln. Gleiches gilt ohnedies auch für die Altarme jener beiden Flüsse in Niederösterreich.