Cirsium heterophyllum

Stöhr, O., 2006, Cirsium-Hybriden im Bundesland Salzburg Cirsium-Hybriden in the province Salzburg, Linzer biologische Beiträge 38 (1), pp. 189-216 : 207-208

publication ID

https://doi.org/10.5281/zenodo.5432816

persistent identifier

https://treatment.plazi.org/id/695D87A4-7713-470B-FF3F-FE00FC57FC64

treatment provided by

Valdenar

scientific name

Cirsium heterophyllum
status

 

Cirsium heterophyllum × oleraceum × palustre (C. × fritschianum L. KELLER)

Diese von Louis KELLER im August 1896 an einem Strassengraben zwischen Mauterndorf und Neusess im Lungau ( Abb. 16 View Abb ) in einem Exemplare gefundene, im selben Jahr erstmals literarisch erwähnte (vgl. KELLER 1896) und 1898 zu Ehren von Karl FRITSCH beschriebene Hybride wurde in Mitteleuropa nach WAGENITZ (1987) sonst nirgends beobachtet. C. heterophyllum × oleraceum × palustre ist zudem die einzige Tripelhybride der Gattung Cirsium , die je in Salzburg aufgefunden wurde. KELLER (1898) schreibt bezüglich ihrer Morphologie: "Obwohl hier nicht ein vollständiges Exemplar mit Wurzel und Wurzelblätter vorliegt, lässt sich doch aus dem vorhandenen Materiale der Tripelbastard sehr leicht erklären. Es deuten die, die Mitte zwischen C. palustre und C. heterophyllum haltenden, gelben, mit kleinen, schmalen Deckblättern versehenen Köpfe auf C. oleraceum ; die decurrenten, dornigen Blätter auf C. palustre und die weissfilzige Blattunterseite auf C. heterophyllum ."

Cirsium heterophyllum × palustre (C. × wankelii REICHARDT )

Synonym: C. × rigidum PORTA

C. heterophyllum × palustre fällt im Gelände meist durch deutlich intermediäre Merkmalsausprägung auf: die weissfilzigen Blattunterseiten deuten auf C. heterophyllum , die dornig geflügelten, herablaufenden Stängelblätter auf C. palustre als Elternarten hin. Nach den bisherigen Beobachtungen des Verfassers treten zudem Heterosiseffekte und somit grosse Wuchshöhen auf. Aus Salzburg liegen folgende Literaturangaben vor: "Mühlachalpe im Salzachgrund" (FUGGER & KASTNER 1899; Erstnachweis) und "sumpfige Waldrandwiese südöstlich von Neukirchen" ( REITER 1950). Ein bislang unveröffentlichter Fund stammt von einer auf 1700m gelegenen Hochstaudenflur nahe der Bäckenalm in Badgastein (O. STÖHR, Herbar, 2003). Die bekannte Verbreitung wird in Abb. 16 View Abb dargestellt. Im montanen-subalpinen Feucht- und Nassgrünland des Oberpinzgaues, südlichen Pongaues und Lungaues könnten – gemäss dem Areal von C. heterophyllum – weitere Funde inmitten der Elternarten folgen. Insbesondere die Vernässungen der dortigen Almflächen erscheinen als fundträchtig. C. heterophyllum × palustre tritt in Mitteleuropa bloss zerstreut auf ( WAGENITZ 1987). In Österreich wurde dieser Bastard zuerst von REICHARDT (1861) in der Steiermark entdeckt und kommt nach JANCHEN (1956 -1960) in Niederösterreich, Steiermark, Salzburg, Nordtirol und Vorarlberg vor. Für das Bundesland Oberösterreich gelang unlängst ein Nachweis im oberen Mühlviertel ( STÖHR et al. 2006); jedoch ist dieser entgegen früherer Ansicht nicht als Erstfund zu werten, da bereits aus dem Oberen Mühlviertel eine Kartierungsangabe aus dem Florenquadranten 7249/3 vorlag (KRAML & LINDBICHLER 1997).

Cirsium heterophyllum × spinosissimum (C. × purpureum ALLIONI )

Synonyme: C. × autareticum (VILLARS) MUTEL ; C. × hastatum THELLUNG ; C. × hallerianum GAUDIN ; C. × spinosissimoides AUSSERDORFER; C. × heterophylloides TREUINFELS ; C. × nothum GOLLER; C. × cervini KOCH

Diese Hybride ist aufgrund ihrer Mehrstängeligkeit habituell ähnlich zu C. spinosissimum , die Blätter sind jedoch weniger dornig, unterseits grau- bis weissfilzig und typischerweise in eine lange Spitze ausgezogen (cf. C. heterophyllum ). Die Blüten sind rot überlaufen (vgl. Abb. 14). Eine Zeichnung dieses Bastardes ist in WAGENITZ (1987) zu finden. Hinsichtlich der Wuchshöhe scheint C. heterophyllum × spinosissimum nach bisherigen Eigenbeobachtungen die Mitte zwischen den Elternarten zu halten. Entsprechend der vergleichsweise geringen Areal- und Lebensraumüberschneidung der Elternarten wurden für Salzburg bislang nur wenige Nachweise bekannt ( Abb. 16 View Abb ). Der Erstnachweis stammt von SAUTER (1879) und betrifft ein Vorkommen am Lessacher Wiesenberg bei rund 1900m Seehöhe. Die zweite veröffentlichte Angabe kommt von VIERHAPPER (1935), der C. heterophyllum × spinosissimum auf Mähder des Vorderriedinggrabens im Zederhauswinkel beobachtete. Ausserhalb des Lungaues wurde die Pflanze erst einmal registriert und zwar in einem Exemplar auf einer Silikatschutthalde im Palfner Kar in Badgastein (O. STÖHR, Herbar, 2003). Bemerkenswert an diesem Fund sind drei Aspekte: 1.) C. heterophyllum × spinosissimum trat hier als Halbwaise ohne die Elternart C. heterophyllum auf. 2.) Es handelt sich um einen natürlich dynamischen Lebensraum ohne anthropogene Störungseinflüsse. 3.) Mit 2130m ist die grosse Seehöhe des Fundortes bemerkenswert, da hiermit vermutlich schon eine obere Verbreitungsgrenze von Cirsium- Hybriden in Salzburg erreicht wird. Zum Vergleich wuchsen nach einer Geländebeobachtung des Verfassers im Jahre 2005 zwei Individuen des Bastardes am Ufer des Gschlössbaches im Innergschlöss (Osttirol) auf nur 1700m.

Kingdom

Plantae

Phylum

Tracheophyta

Class

Magnoliopsida

Order

Asterales

Family

Asteraceae

Genus

Cirsium