Chara filiformis H. Hertzsch

Faden-Armleuchteralge

Art ISFS: Checklist: 50028 Characeae Chara Chara filiformis H. Hertzsch

Bestimmungsschlüssel

Zusammenfassung

Artbeschreibung Feine, kleine bis mittelgrosse Pflanzen, Sprosse in der Regel zwischen 5 - 50 cm lang. Exemplare im Seeuferlitoral heimischer Seen werden meist nicht länger als 10 - 15 cm. Oft mit Kalk verkrustet. Sprossdurchmesser: 0,3 - 0,5 mm. Internodien: Überlange Internodien im Vergleich zu den extrem kurzen Ästen, zwischen 3 und 10 cm lang. Rinde: in der Regel diplostichtylacanth, sehr selten auch isostich. Stacheln: kleine, abgerundete Stacheln, einzeln stehend. Stipularen: zweireihig angelegt, sehr kurz, unscheinbar. Astquirl: bestehend aus 6 - 8 Ästen . Äste: extrem kurz, nur wenige Millimeter lang, in der Regel nur aus 3 Astgliedern bestehend, oft nach innen gegen die Achse gebogen. Die Art ist monözisch . Gametangien: Lediglich 1 Paar Gametangien pro Ast, diese immer am - ersten Astglied stehend. Antheridium: rötlich, Durchmesser: 0,3 - 0,4 mm, solitär . Oogon: orangefarben, die Blättchen sind kürzer als das Oogon, dieses weist eines Länge zwischen 0,65 - 0,9 mm und eine Breite von 0,45 - 0,6 mm auf (ohne Krönchen), solitär . Oospore: dunkelbraun bis schwarz, langgestreckt, mit 11-14 Rippen, diese deutlich hervortretend (verkalkt zur Gyrogonit). Länge: 0,5 - 0,7 mm, Breite: 0,35 - 0,45 mm. Bulbillen: fehlend.

Phänologie Chara filiformis ist einjährig . Die Pflanze stirbt im Spätherbst bzw. Winter (je nach Standort) ab und überdauert als Oospore oder als verdickter Sprossknoten, der mit Reservestoffen angefüllt ist. Die Pflanze erscheint bei uns im Frühsommer (Juni) und fruktifiziert zwischen Juli und September. Verwechslungsmöglichkeiten Chara filiformis ist in ihrer typischen Ausprägung leicht zu erkennen. Mitunter kann sie jedoch mit verkümmerten Exemplaren von Chara contraria verwechselt werden. Wichtige Artunterscheidungsmerkmale gegenüber C. contraria sind bei C. filiformis die extrem kurzen Äste, die in der Regel nur aus 3 Astgliedern bestehen, die Blättchen, die kürzer sind als das Oogon und die Existenz von nur einem Gametagienpaar pro Ast, welches immer am Ende des ersten Astgliedes sitzt. Der Artstatus von C. filiformis ist noch umstritten, sie könnte möglicherweise eine Standortmodifikation von C. contraria darstellen.

Standort und Verbreitung in der Schweiz Die Art ist gegenwärtig nur aus vier nährstoffarmen Seen ( Ägerisee, Sarnersee, Walensee und Vierwaldstättersee) bekannt. Früher kam sie auch im Zürichsee, im Genfersee, im Lac des Taillères und im Lac de Joux vor. Die grössten Vorkommen gibt es derzeit im Vierwaldstättersee und dort vor allem in der Luzerner Bucht.

Allemeine Verbreitung Chara filiformis ist eine rein europäische Art und weist einen Verbreitungsschwerpunkt im Nordostdeutschen Tiefland, im Baltikum, in Nordost-Polen und in Südschweden auf. Auch aus dem westlichen Russland wird die Art beschrieben. Die Faden-Armleuchteralge erreicht in der Schweiz die Westgrenze ihres Verbreitungsgebietes. Status

Status IUCN: Ungenügende Datengrundlage

Nationale Priorität: 3 - Mittlere nationale Priorität

Internationale Verantwortung: 1 - Gering Erhalten/ Fördern Gefährdungen Habitatverlust Mangel an Dynamik in aquatischen Lebensräumen Gewässereutrophierung Wissenslücken

Ökologie

Die Faden-Armleuchteralge besiedelt in einheimischen Gewässern nur die Flachwasserzone in Tiefen zwischen 0,2 und 4 m. Das Tiefenoptimum scheint bei 0,5 bis 2,5 m zu liegen. Sie bevorzugt eindeutig klare, oligo- bis mesotrophe, kalkreiche Gewässer ( Leitfähigkeit 244-346 µS /cm). Sie wächst auf verschiedenen Feinsubstraten mit unterschiedlichen Korngrössen, von kiesigem Sand bis zur Kalkmudde. Sie ist nicht eutrophierungstolerant. Chara filiformis ist ein Lichtkeimer und bevorzugt helle, lichtreiche Wuchsorte. Aufgrund ihrer Kleinwüchsigkeit ist sie nur konkurrenzkräftig, wenn durch fehlende Nährstoffe oder durch Störungen offene bzw. lückige Stellen am Gewässerboden vorhanden sind. Chara filiformis wächst sowohl in Rein- als auch in Mischbeständen, häufig als Begleitart in lockeren Characeenrasen, die auch mit Laichkrautarten durchsetzt sein können . Oft ist sie auch an Rändern dichter Chara-Bestände, z.B. Chara tomentosa, zu finden oder als Erstbesiedler in Bestandslücken, zusammen mit Chara contraria . Lebensraum Milieux Phytosuisse (© Prunier et al. 2017)

I.1.2.2.3 - Charetum contrariae

Lebensraum nach Delarze & al. 2015

KEINE ANGABE

Abhängigkeit vom Wasser

Flüsse0 - unbedeutend, keine Bindung.
Ruhiges Wasser2 - Schwerpunktlebensraum
Grundwasser0 - unbedeutend, keine Bindung.

Nomenklatur

Gültiger Name (Checklist 2017): Chara filiformis H. Hertzsch

Volksname Deutscher Name: Faden-Armleuchteralge

Nom français: -- Nome italiano: --

Status Indigenat: Indigen

Liste der gefährdeten Pflanzen IUCN (nach Walter & Gillett 1997): Nein Status Rote Liste national 2012

Status IUCN: Ungenügende Datengrundlage

Zusätzliche Informationen Kriterien IUCN: --

Status Rote Liste regional 2019

Biogeografische RegionenStatusKriterien IUCN

Status nationale Priorität /Verantwortung

Nationale Priorität3 - Mittlere nationale Priorität
Massnahmenbedarf1 - Möglicher (unsicherer) Massnahmebedarf
Internationale Verantwortung1 - Gering
Überwachung Bestände1 - Überwachung ist eventuell nötig

Schutzstatus

Kein internationaler, nationaler oder kantonaler Schutz

Erhalten/ Fördern Gefährdungen und Massnahmen Habitatverlust Flachwasserzonen in nährstoffarmen Gewässern erhalten bzw. neu anlegen. Mangel an Dynamik in aquatischen Lebensräumen Eine natürliche Gewässerdynamik wiederherstellen, die Pionierlebensräume generiert und dafür mehr Raum bereitstellen. Gewässereutrophierung Für oligotrophe Verhältnisse sorgen. Die Nährstoffkonzentration auf einem oligo- bis mesotrophen Niveau halten. Im Uferbereich breite Pufferstreifen mit Sumpf- und Gebüschzonen, Hecken- und Waldstreifen usw. erhalten. Verhindern, dass grosse Nährstofffrachten über Oberflächenabflüsse, Drainagen usw., ins Gewässer gelangen. Sowohl im Einzugsgebiet als auch in der unmittelbaren Umgebung des Gewässers eine extensive Bewirtschaftung mit den Instrumenten der Landwirtschaftspolitik fördern . Wissenslücken Die Verbreitung der Art wurde in den letzten Jahren gezielt untersucht. Weitere Vorkommen sind jedoch zu erwarten, insbesondere im Lac de Joux kommt die Art wahrscheinlich vor. Gezielte Nachsuche in oligo- bis mesotrophen Gewässern sind wünschenswert, da die Höhenverbreitung der Art bislang ungeklärt ist.