Comaroma simoni Bertkau

Thaler, K., 1978, Bodenspinnen aus der Steiermark und ihren Nachbarländern, gesammelt von Prof. Dr. R. Schuster, Mitt. Abt. Zool. Landesmus. Joanneum 7 (3), pp. 173-183: 178-181

publication ID

Thaler1978d

persistent identifier

http://treatment.plazi.org/id/110A766E-2CA4-9BDF-8D0F-FF60D54A68D2

treatment provided by

Donat

scientific name

Comaroma simoni Bertkau
status

 

4. Comaroma simoni Bertkau 

Bibliographie: Roewer 1942:604, Bonnet 1956:1195, Wiehle 1960:82-86.

Fundorte und Material:

Steiermark (455: 2 2♀, Salzburg (645: 1 ♂), Kärnten (406: 1 ♂, 2 22; 408: 1 ♂, 3 22; 414: 2 22; 699: 1 ♂). - Jugoslawien: Slowenien (677: 2 2♀ sowie Bled 550 m, Buchenstreu (4 S ♂, 1 2; 3. 6. 1969, Ausobsky). Kroatien, Ucka 950 m, Buchenstreu (1 ♂; 9. 9. 1969). Montenegro, TaraTal südlich Tara 780 m (9 ♂ ♂, 8 22; 18. 9. 1974, Ausobsky). - Italien: Trentino, Umgebung Riva sul Garda 800 m, Buchenstreu (1 ♀; 1. 6. 1963). - Schweiz: Vaud, Grotte de L' Arnon (1 ♀; 30. 8. 1977, Hauser & Strinati).

C. simoni  ist die Typusart einer auffallenden und in ihrer Familienzugehö lange umstrittenen, wegen des disjunkten Auftretens ihrer wenigen Arten am Südrand der pleistozänen Vereisung der Holarktis auch tiergeographisch bedeutsamen Gattung. Das Areal der Art ist erst unvollständig bekannt, über die Vorkommen informieren nur wenige, darunter auch sehr unbestimmte und widersprüchliche, Meldungen. Wiehle 1960 faßt zusammen "eine Art Südosteuropas [ Osüalpen ( Nördliche Voralpen, Grazer Bergland . . .), Ungarn, Kr ain, Istrien] . . . bewohnt . . . die Waldstreu humider Wälder (Buchenmischwald, Buchenwald)'".

Bertkau 1889:74 entdeckte C. simoni  in der Umgebung von Bonn, "ein ♀... am 1. April d. J. bei Rhöndorf unter einem Stein"; das ♂ erhielt er von Simon aus Istrien (Castelnuovo = Podgrad) und teilt mit, daß dieser die Art auch aus Ungarn besitze. Chyzer & Kulczynski 1894:50 nahmen sie, der Autoritaet Bertkau s folgend, in die Spinnenfauna Ungarns auf und charakterisierten sie nach einem von Bertkau erhaltenen Pärchen. Simon 1894:602 nennt als Verbreitungsgebiet aber "la Boheme, la Camiole et l' Istrie", auf Seite 647 aber nur „Austria“ (damals Österreich-Ungarn). Vorkommen in Böhmen oder Ungarn sind seither nicht bekannt geworden, weder Miller 1971 noch Proszynski & Starega 1971 führen die Art an. - Bösenberg 1902:126 versichert dagegen "von diesen merkwürdigen Spinnen fand Professor Bertkau eine größere Anzahl in der Umgebung Bonns und im Siebengebirge", er nennt ( 1899:88) auch weitere Fundorte. Diese Angaben werden aber von Wiehle 1960 negiert, der offenbar eine wie auch in anderen Fällen ( Kulczynski 1905) durch den desolaten Zustand der Sammlung Bertkau s ( Bösenberg 1899:69) verursachte Verwechslung vermutet. - Wiederfunde gelangen seither in der Slowakei (DuDiCH 1933; Dudich, Kolosvary & Szalay 1940:22), in den Ostalpen ( Kritscher 1972, Wiehle & Franz 1954:491) und in Slowenien ( Polenec 1966, 1972).

Die Verbreitungskarte (Abb. 6) bestätigt die tiergeographische Kennzeichnung durch Wiehle und zeigt einen aus einem außeralpinen südöstlichen Waldrefugium bis in die Nordalpen (Bischofshofen, Ybbstal) bzw. entlang des Alpen-

Südhanges zum Gardasee vorgedrungenen „Rückwanderer auf weite Distanz" ( Holdhaus 1954). Die Südgrenze des Areals und etwaige Beziehungen zu C. ressenense Drensky  bedürfen weiterer Klärung, Ausobskys Exemplare aus Montenegro stimmen gut mit den Exemplaren aus dem Alpenraum überein. Von besonderer Bedeutung ist aber der Fund in der Westschweiz. Meines Erachtens zeigt er ein durch den Alpenbogen vom Hauptareal getrenntes Westareal auf. Bertkau s Fund bei Bonn könnte auf einen Ausläufer dieses Areals hindeuten. Das Westareal ist bisher nur durch ♀♀ belegt; die Bestimmung sollte nach Merkmalen des 3 -Tasters weiter überprüft werden. - Außereuropäische Cornaroma Arten sind erst vor wenigen Jahren entdeckt worden: C. mendocino (Levi)  (Kalifornien, Levi 1957, Levi & Levi 1962), C. maculosa Oi  ( 1960, Japan). Diese holarktischen Disjunktionen sind wohl ebenso wie die Spaltung des Areals der Typusart in Europa auf Einwirkungen der Glaziale zurückzuführen.

Comaroma  wurde lange der Familie Erigonidae  zugeordnet ( Simon 1894, Wiehle 1960) und erst von Oi 1960 und Levi & Levi 1962 als zu den Theridiidae  gehörig erkannt. Diese haben somit die systematische Zuordnung durch Bertkau 1889:75 "scheint . . . mir zu den Theridiaden zu gehören“ bestätigt. Die Morphologie des ♂ -Tasters stimmt damit überein; „signifikant“ ist insbesonders das unbewegliche, distal abgegliederte Paracymbium (Abb. 1-5).

Kingdom

Animalia

Phylum

Arthropoda

Class

Arachnida

Order

Araneae

Family

Anapidae

Genus

Comaroma